Die Geschichte Messiniens
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Das Gebiet Messiniens nimmt die Südweststrecke des Peloponnes ein und ist fruchtbar und relativ autark. Als erste haben sich die Leleger dort angesiedelt, und der mythologischen Überlieferung zufolge hat das Gebiet seinen Namen von Messene, der Gemahlin des ersten Königs der Gegend namens Polykaon. In der folge ließen sich Äoler und Minyer dort nieder, während die Achäer den westlichen und südlichen Teil auch dann noch in ihrem Besitz behielten, als im Rahmen der Dorischen Wanderung dorische Stämme unter ihrem Anführer Kresphontes in das Land einfielen und seinen zentralen Teil eroberten. Die spartaner wandten sich den fruchtbaren Ebenen zu, als sie ungefähr in der Mitte des 8. Jhs. v. Chr. nach Auswegen für das Problem ihres Bevölkerungsüberschusses suchten. Das hatte eine Reihe von Zusammenstößen zur Folge, die "Messinische Kriege" genannt wurden. Der Erste Messinische Krieg begann etwa um das Jahr 743 v. Chr. und endete 724 v. Chr. Die Spartaner errangen trotz des heftigen Wiederstandes der Messinier den Sieg und sicherten sich die Herrschaft über Messinien mit Ausnahme des westlichen Teils und der Küste im Süden. Die größeren Grundeigentümer wurden gezwungen, das fruchtbare Gebiet am Oberlauf des Pamisos zu verlassen, während die Kleinbaueren zu Heloten (einzelnen Herren zugeteilter Staatsbesitz) absanken und der rücksichtslosen Ausbeutung durch die Spartaner ausgetzt waren. Diese Tatsache hatte häufige kleinere Erhebungen zur Folge, die zu einer großen Auseinandersetzung im Zweiten Messinische Krieg führten, der etwa um 650 v. Chr. ausbrach. Diesmal hatten die aufständischen Messinier die Unterstützung der Arkader, der achäischen Einwohner von Westmessinien und der in Elis ansässigen Periöken, was für Sparta zusätzliche Probleme verursachte und den Krieg um Jahre verlängerte bis etwa 620 v. Chr. Die Überlieferung gibt uns Einzelheiten sowohl was die heroische Haltung der Messinier angeht als auch über die Tapferkeit ihres Feldherrn Aristomenes. Dennoch wurden die Messinier besiegt, und das gesamte Land fiel den Spartanern in die Hände; die wenigen noch verbliebenen Periöken wurden zu Heloten. Einige Jahre später machten sich die Messinier die verherrenden Erdbeben des Jahres 464 v. Chr. zunutze, die die Bevölkerung von Sparta dezimierten. Sie erhoben sich gegen dieses und nahmen die Burgfestung Ithome ein, vermochst sie aber nicht zu halten. 460/459 fiel Ithiome, und die messinischen Flüchtlinge wurden von den Athenern - deren Unterstützung die Spartaner abgelehnt hatten - in Naupaktos angesiedelt, wo später auch diejenigen Messinier Zuflucht suchten, die während des Pelopennesischen Krieges die Athener begünstigt hatten (425 v. Chr.). Nach der Niederlage der Athener vertrieben die Spartaner indessen i. J. 399 v. Chr. die Messinier aus Naupaktos, die ihre Unabhängigkeit erst i. J. 369 v. Chr. wiedererringen konnten, als Epaminondas die Stadt Messene gründete, in der sie sich niederließen. Sparta wurde zunächst i. J. 355 v. Chr. von den Athenern und später von Philipp von Makedonien gezwungen, die Unabhängigkeit Messiniens anzuerkennen, das seinerseits auch weiterhin stets die Gegner Spartas in allen sich ereignenden kriegerischen Auseinandersetzungen unterstützte. Es wurde zwar Mitglied des Achäischen Städtebundes, fiel aber 183 v. Chr. von ihm ab. Die abtrünnigen Messinier töteten Philopoimen, wurden jedoch schließlich i. J. 146 v. Chr. dem Römischen Reich einverleibt und eilte von da an das Schicksal des übrigen Peloponnes.
Während der fränkischen Herrschaft gehörte es als Lehen des jeweiligen Fürsten zum Fürstentum Achaia. Damals wurden eine Reihe fränkischer Festungen zur Sicherung des Landes errichtet: die von Kalamata, von Arkadia (Kiparissia), von Navarino und von Neokastro. Die Venezianer erbauten später die Festungen von Methoni und Koroni. Kurz vor dem Fall von Konstantinopel gelangte Messinien an die Paläologen von Mistrà (1430 n. Chr.), um in der Folgezeit immer wieder zum Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zu werden, namentlich zwischen Venezianern und Türken; den letzteren fiel nach Abzug der Venezianer 1715 das ganze Gebiet anheim. Im Freiheitskampf von 1821 bot sich das messinische Gebiet als geeignete Ausgangsbasis für die Aufständischen an, die von der Halbinsel Mani kommend Kalamata belagerten. Im Verlauf des Kampfes wurde es mehrfach zum Mittelpunkt von Zusammenstößen und erlitt schwere Zerstörungen durch Ibrahim Pascha, der es völlig ausplünderte. Nach der Seeschlacht von Navarino wurde es endgültig befreit. Das Gebiet der heutigen Präfektur umfaßt die gesamte messinische Halbinsel sowie einen Teil der Mani, die sogenannte Messinische Mani und gliedert sich in vier Eparchien: Kalamata, Messini, Pilia und Triphilia.

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Letzte Änderung: 19.01.2000,    © 1999 Johann Brandt, Renningen